U18 - Kanadische Woche Teil 1
Die U18 startet mit einer knappen Niederlage in Kernenried und einem klaren Sieg in La Chaux-de-Fonds in eine intensive Streethockeywoche.
Wer sich etwas mit Fussball befasst, der kennt den Begriff «englische Woche», aber was ist eine «kanadische Woche» im Streethockey? Nun, das sind vier Spiele innerhalb von neun Tagen. Und genau so ein Mammut-Paket absolviert die U18 der Skorpione in diesem Januar. Am letzten Samstag reisten die Gürbetaler nach Kernenried und am Sonntag nach La Chaux-de-Fonds. Am kommenden Freitag wird Grenchen in Belp gastieren, bevor die kanadische Woche am kommenden Sonntag in Zug endet.
Am vergangenen Wochenende trafen die Belper auf zwei völlig unterschiedliche Gegner. Die Bulldozer sind eine der stärksten Mannschaften der U18 und verfügen über zwei Linien, die ein Spiel entscheiden können. Bei den übrigen Spitzenteams ist es meist eine Linie, die eine Partie entscheiden kann. La Chaux-de-Fonds nimmt in diesem Jahr nach einem längeren Unterbruch wieder an der U18 Meisterschaft teil. Ein grosser Teil der Spielerinnen und Spieler ist noch im U15 Alter. Entsprechend zahlen die Neuenburger diese Saison Lehrgeld und verloren bisher alle Spiele, meist recht deutlich.
Am Samstagmittag reisten die Gürbetaler nach Kernenried. Es fehlten Zoe Greven, Joshua Jordi (beide verletzt), Luan Freiburghaus und Marco Grossenbacher.
Die Belper waren hoch motiviert und wollten unbedingt drei Punkte aus Kernenried mitnehmen. Zumindest sprachen alle davon dies zu tun. Allerdings bot sich auf dem Spielfeld ein etwas anderes Bild. Die Gäste bekundeten von Anfang an Probleme mit dem schnellen Angriffsspiel der Platzherren. Die Belper waren nicht in der Lage auf das Cycling der Rieder adäquat zu reagieren. Mal für Mal konnten sich ein Rieder von seinem Gegenspieler lösen. Die Folge war eine allgemeine Verwirrung der Belper Hintermannschaft, weil plötzlich ein Gegenspieler ungedeckt vor Luca Schmid auftauchte. Dies führte zu zahlreichen Torchancen der Platzherren. Warum hatten die Gürbetaler solche Schwierigkeiten mit dem Spiel der Rieder? In der Defensive waren die Spieler zu sehr auf den Ballführenden fokussiert und liessen ihren direkten Gegenspieler zu oft aus den Augen. Viele Belper waren zudem zu langsam, um auf die schnellen Aktionen der Platzherren umgehend reagieren zu können. Nicht, dass die Gürbetaler nicht schneller agieren könnten, aber es bestand eine gewisse Tendenz zu Minimalismus. Schliesslich funktionierte auch die Angriffsauslösung der Skorpione nicht so wie sie sollten. Die Stürmer kamen nicht so weit zurück, wie in den Trainings geübt, sondern warteten oft jenseits der Mittellinie auf den Ball. Soweit die Bestandesaufnahme des Spiels der Gürbetaler im ersten Drittel. Vor diesem Hintergrund war es wenig überraschend, dass die Gastgeber in der 2. Spielminute durch Thierry Reusser 1:0 in Führung gingen. Der Sturmlauf der Platzherren wurde in der 3. Spielminute jäh durch eine Strafe gegen Lio Wüthrich unterbrochen. Das Belper Überzahlspiel hatte gewisse Anlaufschwierigkeiten. Schliesslich konnten sich die Skorpione aber vor dem Tor der Rieder festsetzten. In der 5. Spielminute erzielte Levy Greven auf Zuspiel von Tobias Zoss den 1:1 Ausgleich. Die Kernenrieder Angriffe rollten weiter in Richtung Belper Tor. In der 7. Spielminute traf Fabio Aeberhard auf Zuspiel von Reusser zum 2:1. Etwas entgegen dem bisherigen Spielverlauf konnten die Gürbetaler umgehend reagieren. 38 Sekunden nach dem zweiten Rückstand erzielte Micha Steck auf Zuspiel von Greven den erneuten Ausgleich. Den Rest des ersten Drittels dominierten die Platzherren. Reusser brachte die Rieder in der 9. Spielminuten auf Zuspiel von Wüthrich wieder in Führung. In der 13. Spielminute erhöhte Dominic Oberli auf Zuspiel von Wüthrich und Reusser auf 4:2. Mit diesem Resultat gingen die beiden Teams in die erste Pause. Die Gäste mussten froh sein, nicht deutlicher hinten zu liegen.
Im Mittelabschnitt legten die Skorpione einen Gang zu. Die Deckungsarbeit in der eigenen Zone funktionierte nun wesentlich besser. Auch die Angriffsauslösung war verbessert. Die beiden Teams waren sich nun praktisch ebenbürtig. Die Partie gewann an Klasse. Beide Teams erspielten sich mehrere gute Abschlussgelegenheiten. Aber Lea Nussbaum im Tor der Rieder und Schmid liessen sich im Mittelabschnitt lediglich je einmal bezwingen. Tim Kaiser verkürzte in der 24. Spielminute auf Zuspiel von Greven auf 3:4 und Reusser stellte in der 28. Spielminuten den alten Zweitorevorsprung wieder her.
Das Schlussdrittel war keine drei Minuten alt als Wüthrich die Strafbank aufsuchen musste. Die Gürbetaler liessen diese ausgezeichnete Möglichkeit zum erneuten Anschlusstreffer ungenutzt verstreichen. Es kam noch schlimmer. Kaum auf dem Spielfeld zurück erzielte Wüthrich auf Zuspiel von Reusser in der 36. Spielminute die 6:3 Führung für die Platzherren. Wars das? Nein, die Skorpione gaben nicht auf. Sie reagierten. In der 38. Spielminuten traf Steck auf Zuspiel von Kaiser zum 4:6. Die Aufholjagd der Belper war lanciert. Sie wurde jedoch in der 41. Spielminute jäh unterbrochen als Len Reusser für zwei Minuten auf die Strafbank musste. Die Rieder liessen diese ausgezeichnete Möglichkeit zum endgültigen Siegtreffer ungenutzt verstreichen. In der 44. Spielminute ersetzten die Belper Schmid durch einen sechsten Feldspieler. Diese Aktion zahlte sich aus. Nach 44:01 verkürzte Steck auf Zuspiel von Kaiser auf 5:6. Die Skorpione drückten nun mit sechs Feldspielern auf den inzwischen verdienten Ausgleich. Dieser fiel jedoch nicht mehr.
Letzten Endes hatten die Skorpione die Begegnung gegen die Bulldozer im ersten Drittel verloren. Für den weiteren Verlauf der kanadischen Woche gilt es nun daraus den richtigen Schluss zu ziehen und der ist simpel. Von Anfang an die volle Leistung zeigen und nicht die Leistung, von der man glaubt, dass sie zum Sieg ausreicht. Das ist leicht geschrieben, ob es sich auch so leicht umsetzen lässt, werden wir am nächsten Freitagabend gegen Grenchen sehen.
Am Sonntag stand die Partie im Neuenburger Jura an, quasi das Intermezzo in der anstrengenden Woche. Normalerweise ist es im Neuenburger Jura im Januar kalt und es liegt jede Menge Schnee. Nun, Schnee hatte es am Sonntag, aber nur wenig. Die Temperatur lag aber bei frühlingshaften 10 Grad. In Belp überschritten sie am selben Tag kaum die 2 Grad-Marke. Die mitgereisten Zuschauer konnten sich vor der neu gebauten Buvette der Jurassier an die Sonne setzen und die Wärme geniessen.
Die Skorpione waren mit einem Torhüter und zehn Feldspilern in den Jura gereist. Da es wenig Sinn machte, mit sechzehn Feldspielern an eine Partie zu reisen, die mit vier gegen vier Feldspielern ausgetragen wird, wurden Anfragen auf schöpferische oder skifahrerische Pausen grosszügig genehmigt. Im Tor erhielt Leandro Krebs, nach seinem Teileinsatz im Heimspiel gegen Martigny, die Möglichkeit seine erste komplettte U18 Partie zu bestreiten.
Die Skorpione starteten furios in diese Partie. Micha Steck brachte die Gürbetaler auf Zuspiel von Levy Greven nach 41 Sekunden mit 1:0 in Führung. In der 3. Spielminute erhöhte Severin Reinmann auf Zuspiel von Joey Kreienbühl auf 2:0. Es war der erste Treffer von Reinmann in der U18. Immer noch in der 3. Spielminute erhöhte Steck auf Zuspiel von Niklas Bosshard auf 3:0. Damit war die Partie eigentlich schon entschieden und die Gürbetaler schalteten zwei Gänge zurück. Die Konzentration war ab diesem Moment bei den Bernern wie weggewischt. Dies führte dazu, dass zahlreiche Torchancen vergeben wurde, weil viele Spieler beim Abschluss eine gewisse Non-Challence an den Tag legten. Zudem war Torhüter Quentin Humbert-Droz seiner Mannschaft ein ausgezeichneter Rückhalt. Die Berner monopolisierten den Ball meist in der Zone der Neuenburger. Doch da der letzte Einsatzwille fehlte, tauchten die Platzherren das eine oder anderer Mal gefährlich vor Krebs auf. Der liess sich aber nicht bezwingen. Im Startabschnitt fiel lediglich ein weiterer Treffer. Moritz Schär traf auf Zuspiel von Ruben Rüegsegger zum 4:0. Möglicherweise war es auch umgekehrt, aber so steht es auf dem Matchblatt.
Im Mittelabschnitt schalteten die Belper vielleicht einen halben Gang hoch. Bis zum Drittelsende erhöhten sie auf 10:0 Torschützen waren dreimal Steck, Tim Kaiser, Reinmann und Greven.
Im Schlussabschnitt nahmen es die Berner wieder etwas gemütlicher. Die Neuenburger tauchten nun mehrmals gefährlich vor Krebs auf, der aber sein Tor souverän verteidigte und sich seinen ersten Shout-out in der U18 sicherte. Tore fielen auch im Schlussabschnitt, und zwar deren fünf. Reinmann vervollständigte seinen ersten Hat-Trick. Zudem trafen Steck, Tim Bosshard, Kaiser und Greven je einmal.
Die Gürbetaler gewannen die Partie ohne – abgesehenen von den ersten drei Minuten – wirklich zu überzeugen mit 15:0. Danach traten sie die Heimreise aus den frühlingshaften Jurahöhen in den winterlichen Belper Eischrank an.
Die kanadische Woche wird am Freitagabend um 20:00 Uhr gegen den SHC Grenchen fortgesetzt und am Sonntagnachmittag in Zug gegen die Rebells beendet. Es sind zwei umkämpfte Partien zu erwarten. In der Meisterschaft folgt dann eine vierwöchige Pause bis am 22. Februar Bettlach in Belp gastieren wird. Zuvor werden die Skorpione aber vom 13. bis 15. Februar nach Prag reisen und an einem Juniorenturnier teilnehmen.
Christoph Curchod, 21.01.2026